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Marion Sprissler

Betriebswirtin / Business Coach IHK / Mentaltrainerin

Mein Berufsleben verlief nie gerade aus.

Schon für die Ausbildungsstelle als Industriekauffrau musste ich mich in Accessmentcentern inkl. Rollenspielen und Gruppenarbeiten gegen 100 andere Bewerber durchsetzen. Zu meiner Zeit war es gar nicht einfach in ein renommiertes Unternehmen reinzukommen.

Danach habe ich einige Jahre in einer Mineralölfirma gearbeitet. Der Job war toll! Der Chef nicht 🙁 Er hielt sich für einen unwiderstehlichen Casanova  und ließ mir keine Ruhe, bis ich psychisch am Ende war. Ständige Krankschreibungen bis hin zu einem gebrochenen Finger, nur damit ich endlich mal länger krank geschrieben war…

Dann ging die Reise zu einem Industrieunternehmen in Schramberg, wo ich vor Langeweile fast gestorben bin. Meine Aufgabe war es ans Telefon zu gehen wenn es klingelt. Glaubt mir, es hat NICHT geklingelt.

Was blieb mir übrig… Weiter gings… in ein Unternehmen in Spaichingen. Montag Morgens war immer Abteilungs-Brezel-Essen. Der HORROR! Nur Menschen kurz vor der Rente mit der Einstellung „Excel wird sich eh nie durchsetzen, wir arbeiten lieber mit Papierkärtchen“ und der ständigen dummen Frage „Wie war denn am Wochenende das Wetter, da wo Sie herkommen?“ Akzeptiert wurden offenbar nur Menschen aus dem eigenen Dorf….

Gut, das war dann wohl auch nichts.

Als ich komplett deprimiert beim Arbeitsamt saß (und ich unzählige Absagen bekommen hatte, meist begleitet mit der Frage „Wie sieht es denn mit der Familienplanung aus“), laß ich einen Flyer übers arbeiten im Ausland.

Hier wollte mich ja eh keiner und die Fahrt ging los nach Frankreich, wo ich ein Praktikum in einem Champagnerhaus machen durfte. Die waren gottfroh als ich ankam. Ich war erstmal überrascht, dass ich dort Führungen auf Französisch machen sollte, was jetzt nicht gerade mein Paradefach in der Schule war 😀 Nun gut, ich habe in der Zeit sehr viel Selbstbewußtsein gewonnen und mich konnte so schnell nichts mehr erschrecken.

Danach bin ich nach Spanien, um eine 3-wöchige Sprachschule zu besuchen. In Barcelona gefiel es mir so gut, dass ich kurzerhand nach Jobs suchte und relativ schnell einen für 1 Jahr befristet im Büro bekam.

Wie ihr euch vorstellen könnt, hatte ich zu dem Zeitpunkt schon gefühlt 600 Vorstellungsgespräche insgesamt hinter mir. Was jetzt aber kam, hat das ganze potenziert. Ich bin nach Berlin gezogen und habe mich in der Automobilbranche selbstständig gemacht. Aufträge gab es wie Sand am Meer, ABER ich musste mich auf jedes Projekt neu bewerben. Manche Projekte gingen 1 Tag,  andere 3 Monate. Immer die gleichen Firmen und Zuständigen, immer neue Auswahlgespräche. Bei einem großen Automobilhersteller (Stuttgart) immer als Accessmentcenter in einer Gruppe von ca. 12 Bewerbern, verbunden mit Stresstests wie „Singen Sie bitte das Lied, das Sie am besten repräsentiert“. Dazu wurde die Heizung aufgedreht, kein Wasser ausgeschenkt und hinter dir saßen mehrere „Beurteiler“, die ständig hörbar Notizen machten. Super Sache. Komm mit dem Stress klar, oder du bist raus.

Mit der Wirtschaftskrise kam das Aus für die Automobilprojekte. Ich musste zurück in die Festanstellung. So richtig beliebt war man mit einigen Jahren Selbständigkeit nicht, doch die Referenz im Lebenslauf hat sich dann doch durchgesetzt.

Ab in die Medizintechnik nach Tuttlingen. Was ich dort erlebt habe erschreckt mich noch heute. Ein Chef, der offensichtlich Spaß daran hatte seine psychologischen Instrumente so einzusetzen, dass Gruppen in der Produktion richtige Kriege gegeneinander führten. Sie merkten nicht, wie er Montag Morgens reinkam, seine Spielchen machte und der Krieg begann. Jeder wollte dem Chef gefallen. Keiner hat gemerkt was für ein Schwein er war. Im Produktionsbereich gab es dann einige Fälle von Krebs. Zufall? Sorry, NEIN! Auch im kaufmännischen Bereich trieb er sein Unwesen. 2 von 4 Kolleginnen hatten Neurodermitis, eine an der Hand, die andere im Gesicht. Wenn der Chef wieder total mies zu der einen war, musste sie Handschuhe anziehen, weil sich die Neurodermitis so verschlechterte, dass das Blut lief!!

Wollte ich krank werden? Nein. Wollte ich zusehen wie andere weiter und weiter krank wurden? Sicherlich nicht.

Es konnte ja nur besser werden dachte ich mir. Bis ich in einer Firma in Schwenningen landete. Der Chef totaler Choleriker und Trinker. Wenn er keine Kippen mehr hatte, zu wenig oder zuviel Alkohol, Geld bei seinen Wertpapiergeschäften verloren hatte (oder 1.000 mehr Gründe) rastete er aus und schrie grundlos die Mitarbeiter an. Die kleine, schüchterne Azubine war wie versteinert, hatte aber keinen Mut sich zu wehren und ging da drin kaputt. (Ich habe der IHK die Situation geschildert – es hat sie nicht interessiert).

Die Reise ging also weiter in ein Unternehmen im Schwarzwald, bei dem es solche Machenschaften zum Glück nicht gab.

Ich habe versucht meine Geschichte kurz zu halten und habe tatsächlich auch nicht alle Stationen aufgeführt. Was ich damit sagen möchte ist folgendes:

Ich weiß wie extrem hart es ein kann in einem Job zu stecken, der einen krank und unglücklich macht.

Ich weiß wie hart es ist aus dieser Energie heraus den Mut zu fassen diese Phase hinter sich zu lassen und in etwas Neues zu starten, von dem man auch noch nicht genau weiß, ob es überhaupt besser wird.

Ich habe gelernt, worauf es im Bewerbungsprozess wirklich ankommt, wie man ein erfolgreiches Anschreiben formuliert und den Rest der Unterlagen gestaltet.

Ich habe gelernt, womit man im Vorstellungsgespräch wirklich überzeugt und sich von anderen abhebt.

Aber vor allem habe ich gelernt, wie man aus diesem psychischen Tief wieder aufsteht und eine neue Version von sich selbst wird, die sich nicht klein machen lässt. Eine Person, die selbstbewußt ihren Weg geht. Eine Person mit eigenen Standards, 100% Selbstliebe und Selbstverantwortung.

Es ist Zeit, dass die Menschen aufhören beruflich durch die Hölle zu gehen oder sich mit dem Mittelmaß zufrieden zu geben. Es gibt da draussen so viele, inspirierende und wertschätzende Jobs!!

Willkommen bei den JOB-Rockstars, die Eigenverantwortung übernehmen, ihr berufliches Leben selbst in die Hand nehmen, beruflich erfolgreich und innerlich frei sind!